Zur Hauptnavigation springenZum Hauptinhalt springen

Die ÖDP-Kreisverbände Traunstein und Berchtesgadener Land trauern um das langjährige Parteimitglied Felix Weingarten, der im Alter von 96 Jahren verstorben ist. ...

...

Im Rahmen der Kreisversammlung gedachte die Traunsteiner ÖDP an ihren langjährigen Parteifreund und Mitstreiter Felix Weingarten aus Taching, der am 22.November im Alter von 96 Jahren verstorben ist.

ÖDP-Kreisvorsitzender und langjähriger politischer Weggefährte Georg Huber aus Waging erinnerte in seiner Laudatio, dass erst der Einsatz und das Engagement von Felix Weingarten zur Gründung der örtlichen ÖDP geführt hat. Schon seit 1978 war Weingarten Mitglied der GAZ (Grüne Aktion Zukunft), aus der dann die Partei der Grünen und auch die ÖDP hervorgingen. Zusammen mit Herbert Gruhl, (der nach Austritt aus der CDU zunächst die GAZ gegründet und dann bei der Gründung der  Partei DIE GRÜNEN mitgewirkt hatte, aber sich dann wieder von diesen abwendete), war Felix Weingarten 1982 Gründungsmitglied der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP) auf Bundesebene und somit einer der wesentlichsten Vorstreiter für diese ökologische Partei. Kurze Zeit später gründete er den Traunsteiner Kreisverband und war von 1982 bis 1994 auch 12 Jahre dessen Vorsitzender und hat zusätzlich noch an der Aufbauarbeit im Nachbarlandkreis Berchtesgaden mitgeholfen. Während dieser Zeit hat er sich auch mehrmals als Direktkandidat für Wahlen zur Verfügung gestellt und somit für die politischen Ziele der ÖDP gekämpft.

Von 1984 bis 1990 war Weingarten Mitglied im Tachinger Gemeinderat und von 1990 bis 2002 Mitglied im Traunsteiner Kreistag. Georg Huber erinnerte daran, dass Felix Weingarten in seiner Kreistagszeit jeden Haushalt des Landkreises abgelehnt hat, da jedes Jahr neue Schulden in Kauf genommen wurden, was für ihn keine zukunftsfähige Politik war.

 

„Während seines politischen Engagements war der gelernte Kaufmann ein stetiger Mahner und Kritiker einer ungehemmten Wachstumsideologie, der mit seinem Denken seiner Zeit weit voraus war“, so Georg Huber weiter, „Felix erkannte schon frühzeitig, dass unser Wirtschaftssystem uns vor Probleme stellen würde, die nur schwer beherrschbar sein könnten. Ich erinnere mich noch gut, wie Felix seine Kritik auch oft mit Zahlen untermauerte, wenn er z.B. zum Ausdruck brachte, dass  4 % jährliches Wachstum nach 18 Jahren eine Verdoppelung, nach 28 Jahren eine Verdreifachung und nach 35 Jahren sogar eine Vervierfachung unseres Energie-/Rohstoff- oder Flächenverbrauchs bedeutete“ so der Waginger Gemeinderat weiter. Georg Huber erinnerte die Versammelten daran, wie Felix Weingarten 2013 anlässlich seiner Ehrung zu 35 Jahren Parteizugehörigkeit sagte: „Stellt euch vor, ich hätte jedes Jahr 3 % mehr Bier getrunken oder mehr Schnitzel gegessen, dies hätte ich nicht lange überlebt“, so der damals 88 jährige Jubilant. „Allein aus dieser Erfahrung müssen Politker lernen und dürfen nicht jedes Jahr ein mehr an Energie- oder Rohstoffverbrauch, an Flächenversiegelung oder Schuldenanstieg hinnehmen, sondern müssen aktiv dagegen steuern“, so der Umweltschützer damals.  

Robert Wölfle aus Nußdorf berichtete in der Versammlung davon, wie er in den 80er Jahren Felix kennenlernte, als dieser nach einer CSU-Wahlveranstaltung vor dem Ausgang der Gaststätte stand und einfach jedem der vorbei ging einen Wahlprospekt der ÖDP mitgab. Er selber habe damals erst die Ökologisch Demokratischen Partei kennen gelernt, welche nun seit mehr als 33 Jahren seine politische Heimat sei.

Frau Dr. Ute Künkele aus Petting erinnerte an die Lebens- und Musikfreude von Felix, welche z.B. an seinem 90.ten Geburtstagsfest besonders gut zu spüren war. „Ich habe auch von der Tochter erfahren, dass er im AWO-Seniorenheim sogar wieder angefangen hat zu musizieren und sich bis zuletzt an der Musik erfreut hat“, so die ÖDP-Kreisrätin weiter.

Abschließend erinnerte Georg Huber noch daran, dass Felix Weingarten neben seiner politischen Tätigkeit auch mehrmals Hilfslieferungen in die Ukraine organisiert und sich selbst vor Ort für eine möglichst gerechte Verteilung der Güter eingesetzt hat.

„Wir trauern nicht nur um einen politischen Mitstreiter, der stets ein Vorbild für unsere politische Arbeit sein wird, sondern vor allem auch um einen väterlichen Freund, mit dem wir viele schöne Stunden erleben durften“, so fasste Huber die Erinnerungen der Versammelten an Felix Weingarten zusammen.
 

Das Foto wurde 2013 gemacht als Felix für 35 Jahre Mitgliedschaft geehrt wurde.
Von rechts: Helmut Kauer, Georg Huber, Felix Weingarten, Bruno Siglreitmaier

Wikipedia-Eintrag:

Die Grüne Aktion Zukunft (GAZ) war eine ökologisch orientierte Partei in Deutschland. Die Gründung wurde am 13. Juli 1978 durch den Bundestagsabgeordneten Herbert Gruhl initiiert, nachdem dieser einen Tag zuvor aus der CDU ausgetreten war.[1] Gruhl wurde auch Bundesvorsitzender der GAZ. Sie war damit die erste bundesweite Umweltpartei. 1980 beteiligte sie sich an der Gründung der GRÜNEN, ehe sie sich dort herauslöste und mit anderen Umweltgruppierungen Anfang 1982 die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) gründete; somit gilt die GAZ als Vorgängerorganisation der ÖDP.