Zur Hauptnavigation springenZum Hauptinhalt springen

Helmut Kauer als Landratskandidat der ÖDP gewählt

Demokratie ist „sein liebstes Kind“ ÖDP stellte 70 Kandidaten für die Kreistagswahl auf - Querschnitt durch die Gesellschaft

Die Spitzenkandidaten des Kreisverbandes

v.l.n.r Renate Jodelsberger-Schrott, Bruno Siglreitmaier, Dr. Thomas Graf, Helmut Kauer, Dr. Ute Künkele, Alexander Schlick, Andreas Huber

Traunstein. Mit Helmut Kauer als Landratskandidaten geht die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) an den Start für die Wahl im März. Bei der Aufstellungsversammlung im Gasthaus Sailer-Keller in Traunstein zeigte sich ÖDP-Kreisvorsitzender Bruno Siglreitmaier darüber hinaus erfreut, dass es gelang, alle 70 Plätze und sechs Ersatzplätze mit Kandidaten zu belegen, die sich für eine „nachhaltige, ökologisch orientierte Entwicklung des Landkreises“ einsetzen. Der knapp 52-jährige Helmut Kauer aus Traunreut, seit zwölf Jahren Kreistagsmitglied, umriss seine programmatischen Ziele als künftiger Landrat. Neben der Schuldentilgung, für die sich die ÖDP seit 24 Jahren stark mache, sah Kauer einen Schwerpunkt im Ausbau der alternativen Energieformen: „Aus regenerativen Energien soll nicht nur der Bedarf im privaten und gewerblichen Bereich gedeckt werden. Bis 2025 soll damit auch die gesamte Industrie im Landkreis versorgt werden können.“
    Augenmerk legte Kauer auf dem demographischen Wandel, der das Leben von immer mehr Senioren im Landkreis zur Folge hat. Als Landrat möchte er in der kreiseigenen Wohnbaugesellschaft bei Sanierungen und eventuellen Neubauten die Bedürfnisse der Älteren stärker berücksichtigen und die wohnortnahe Versorgung mit Hausärzten sichern. Eine „zentrale Aufgabe für die nächste Wahlperiode“ sei die Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs: „Eine große Aufgabe ist die Synchronisierung der Fahrpläne im Zug- und Busverkehrs einerseits sowie zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln und privaten Kraftfahrzeugen andererseits.“ Kauers „liebstes Kind“ war allerdings die „direkte Demokratie“ mit höchstmöglicher Transparenz. Mit ihm würden auch die Tagesordnungen nichtöffentlicher Sitzungen veröffentlicht. Generell wolle er Sitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit rapide zurückfahren. Als „Zuckerl“ werde er auf Landkreisebene einen Bürgerhaushalt einführen, betonte der ÖDP-Landratskandidat.
    Dr. Thomas Graf aus Traunstein als Erstplatzierter der ÖDP-Liste, ebenfalls seit zwölf Jahren Kreisrat, legte als Kinder- und Jugendarzt den Schwerpunkt auf die Bereiche Gesundheit, Familie und Bildung. Dr. Grafs Credo: „Wenn wir Familien in schwierigen Situationen unterstützen und die Bildungseinrichtungen den Bedürfnissen der Kinder anpassen, können wir später immens Kosten bei der Schüler- und Jugendhilfe sparen. Ein ausgeglichenes, gesundes Kind kommt leichter mit Schwierigkeiten des Alltags zurecht.“ Die Integration von Behinderten war ein weiteres Anliegen von Dr. Graf. Man könne etwa durch behindertengerechtes Bauen im öffentlichen Bereich das Leben dieser Menschen wesentlich erleichtern. Auf Platz zwei der Liste folgte Helmut Kauer. Er zeigte sich zuversichtlich, die ÖDP werde mit Dr. Thomas Graf an der Spitze zusätzliche Stimmen und mindestens ein viertes Mandat im Kreistag erringen. Für Andreas Huber aus Waging, der auf die dritte Listenposition kam, stellte die Energieeinsparung die wichtigste Forderung dar - noch vor der Umstellung auf regenerative Energien. Als Biobauer lagen ihm die bäuerliche Landwirtschaft und der Ökolandbau am Herzen. Am Beispiel Waginger See erläuterte er, noch immer würden Planungen „an den eigentlich betroffenen Bauern vorbei“ erfolgen, Auswärtige als so genannte Fachleute vorgezogen. Erfahrungen der heimischen Direktvermarkter würden bei Überlegungen zu neuen Strukturen in der Landwirtschaft um den Waginger See vernachlässigt. Mittlerweile hätten sich drei Gruppen gebildet: „Die Kommunen setzen auf Bauwerke, Vereine und Privatleute auf Zuschüsse vom Staat. Und die Bauern kämpfen untereinander um jeden Quadratmeter - egal, ob sie ihn brauchen oder nicht.“
    Für einen weiterhin gentechnikfreien Landkreis engagierte sich Renate Jodelsberger-Schrott aus Trostberg. „Die großen Saatgutkonzerne werden nicht müde, mit ihrer Lobbyarbeit in Berlin und Brüssel doch noch gentechnisch veränderte Pflanzen in Deutschland hoffähig zu machen. Dagegen müssen wir uns entschieden wehren und die Menschen über diese Machenschaften aufklären“, forderte die Viertplatzierte der Liste. Bruno Siglreitmaier, ÖDP-Kreisvorsitzender aus Chieming, verwies auf „das Dilemma zwischen Umweltschutz und Erhalt von Arbeitsplätzen“: „Die Globalisierung macht sich bei uns durch den starken Schwerlastverkehr bemerkbar. Unsere exportabhängige Industrie hat an guten Verkehrsverbindungen berechtigtes Interesse. Aber manche Lkw-Fahrt wäre vermeidbar. Viele Produkte werden von weit her gekarrt, obwohl sie auch in unserer Region in gleicher, wenn nicht besserer Qualität produziert werden.“ Siglreitmaier nannte beispielhaft Molkereien und Brauereien. Den Spagat zwischen dem von der Wirtschaft gewünschten Ausbau der Verkehrswege und der Ausweisung von Gewerbeflächen auf der einen Seite, dem Schutz der Natur als „Reservat für sanften Tourismus, als Rückzugsraum für bedrohte Arten“ auf der anderen zu schaffen, sei für ihn eine Herausforderung für die kommenden Jahre. Die durch Naturführungen bekannte Biologin Dr. Ute Künkele betonte, sie werde sich im Kreistag vor allem für „verantwortlichen Umgang mit der Natur“ einsetzen: „Als Lehrerin für Biologie weiß ich, wie wichtig es ist, den Kindern im Unterricht die Vielfalt der Natur mit allen Sinnen nahe zu bringen - was weitgehend verloren gegangen ist.“ Als „Vertreter der Jugend“ kamen Christoph Siglreitmaier, Elisabeth Hofstetter, Martin Babuczki, Christine Huber und Johannes Schrott auf die Plätze 20 bis 24.
    Helmut Kauer freute sich über „die gesunde Mischung“ der Kandidaten quer durch die Gesellschaft - von Ärzten über Pfarrer bis zu Biobauern, Schüler, Studenten, von Angestellten, Arbeitern bis zu Rentnern, von Jung bis Alt, Aktiven bei „Mehr Demokratie“, „Bündnis Informationsfreiheit für Bayern“ oder „Attac“, ÖDP-lern und Parteifreien. Siglreitmaier dankte den Kandidaten, die sich zur Verfügung gestellt haben, Hermann Hofstetter aus Truchtlaching für die Beamer-Präsentation und insbesondere auch Kreisrat Georg Huber aus Waging für seine souveräne Führung als Wahlleiter. Bruno Siglreitmaier machte aus seiner Freude kein Hehl, dass es durch die Mithilfe vieler gelungen war, alle 70 Listenplätze und weitere Ersatzplätze mit Kandidaten zu besetzen. „Das dritte Mandat, das die ÖDP bei der letzten Wahl hinzubekommen hat,  zeigt, dass nachhaltige ökologische Werte den Bürgern wichtig sind. Somit besteht berechtigte Aussicht, im März 2014 noch einen vierten oder fünften Kreisratssitz zu erringen.“                            kd